Ausschnitte aus den Arbeiten der Brunel.Tanz.Cie. finden Sie unter www.youtube.com/bruneltanzcie

"Bon anniversaire" - die Tänzerin und Choreographin Christine Brunel feiert in diesem Jahr einen "runden" Geburtstag. Zeit und Gelegenheit, auf ein umfangreiches Oeuvre zu schauen. Der Tanzabend "so long" umfasst Choreographien aus vier Jahrzehnten ihres kreativen Schaffens: eine Retrospektive mit einer Handvoll Stücke, in denen sich die Choreographin als Meisterin der kleinen Form beweist. Soli und Duette aus unterschiedlichen Zeiten spiegeln die künstlerische Entwicklung von Christine Brunel wider.
Choreographie von Christine Brunel, Musik von Kunsu Shim, Gerhard Stäbler and Karlheinz Stockhausen

Der erste Teil encadré3 ist ein intimes Zwiegespräch zwischen Tanz und Musik. Mal im Dialog, mal im Monolog treten die beiden Künstlerinnen miteinander in Beziehung. Sie umkreisen einander, widersetzen sich, ergänzen sich, lassen sich Raum. So entsteht zwischen der Choreographie und der Musik von Gerhard Stäbler und Karlheinz Stockhausen ein eindrucksvolles und ausdruckstarkes Spannungsfeld zwischen Klang und Stille, Kraft und Zerbrechlichkeit, Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit.

Im zweiten Teil Flügel gehen die beiden Künstlerinnen einen Schritt weiter: gleich einem zweistimmigen Gesang verschmelzen hier Tanz, Musik und Stille zu einem Gesamteindruck. Getragenen von einem gemeinsamen Atem, lassen Christine Brunel und Seon-Kyung Kim in einem einzigen Legato ein ganzes Universum entstehen. Kein Stop, keine Zäsur lässt den Fluss ins Stocken geraten. Der Komponist Kunsu Shim konstatiert: "Ein Atem einer in Perlen gebundenen Langsamkeit."

Die Presse schrieb:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 29. November 201
Exakt choreografierte Langsamkeit
"(...)Zu leisen Klavierklängen der exzellenten Pianistin Seon-Kyung Kim entwickelt Christine Brunel konzentriert ihre minimalistischen Bewegungssequenzen und fordert das Publikum so auf, sich ganz auf ihr Tempo einzulassen. (...) Der Premierenabend im Maschinenhaus beginnt mit "encadré3", ebenfalls ein dicht gearbeiteter Dialog zwischen Pianistin und Tänzerin, der sich von sehr geerdeten Bewegungen am Boden und tief im Bauch vibrierenden Anschlägen auf dem Flügel entwickelt bis hin zu einer harmonischen Leichtigkeit mit kleinen Sprüngen. "Flügel", die neue Choreografie, wirkt extrem weich und baut sich langsam von unten nach oben auf. Christine Brunel hat die Augen geschlossen, als würde sie träumen, wenn sie sich wie ein Baum im Winde wiegt, in Zeitlupe über den nackten Boden rollt oder aufsteht und die Arme sehnsüchtig ausbreitet, als wolle sie fliegen. Jede einzelne Bewegung lässt sie kontrolliert fließen, es gibt keine abrupten Pausen und schnellen Wechsel. (...) weil so wenig und eben doch so viel passiert - wenn man genau hinschaut. (...)"
Tanz, Tsui-Shuang Lai, Ilana Reynolds
E-Bass, Diego Velasquez Fuica

Sie tanzt mit der blauen Kugel
Sie befreit sich von der Kugel
Und dann die leeren Hände

Momentaufnahmen in drei Bildern
Vignette N° 1 - Kreiseln
Vignette N° 2 - Konjunktiv
Vignette N° 3 - zuletzt

Die beiden Choreographien des Abends sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden.
"Frau mit blauer Kugel" wurde im Jahr 1987 kreiert,
und "jetzt" hatte seine Uraufführung am 28 November 2009.

Nicht nur die künstlerischen Epochen unterscheiden diese beiden Werke, sondern auch die Art, wie sie choreographiert wurden: Bei "Frau mit blauer Kugel" sind die Musik und das Thema die Grundlage für den Tanz. Bei "jetzt", ein Tanz in drei Bildern, sind die Bewegung und die Persönlichkeit der Tänzerinnen der Ausgangspunkt für den Tanz, und die Musik ist später dazu gekommen.

In diesem Tanzabend vereint Christine Brunel die Vergangenheit und die Gegenwart. Das Solo "Frau mit blauer Kugel" gehört zu den wichtigsten Stücken im Gesamtwerk der Choreografin Christine Brunel. Mit ihm feierte sie weltweit große Erfolge, so u.a. in der Brooklyn Academy of Music im Rahmen des Next Wave Festivals im Jahr 1989. Die Neueinstudierung mit der jungen Tänzerin Ilana Reynolds zeigt, dass das Solo im Hier und Jetzt angekommen ist: eine zeitlose Miniatur, die von ihrer Kraft und ihrem Ausdruck nichts eingebüßt hat.

"jetzt" ist das Ergebnis einer intensiven Bewegungsrecherche. Der E-Bassist Diego Vélasquez Fuica hat dazu eine spannungsvolle Musik komponiert. Entstanden sind drei Vignetten, zarte bis kraftvolle Bilder, die von wundervoller Schlichtheit und Schönheit zeugen. Momentaufnahmen aus dem "Jetzt".

Die Presse schrieb:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Dezember 2009
Das getanzte Jetzt
"(...)"Jetzt" offenbart die Brunel als reife Choreographin, die mit wenigen Mitteln Expressivität erzielt. Die zarten, sich auf wenige Klangmuster beschränkenden Töne und perkussiven Ryhthmen des live-spielenden E-Bassisten Diego Vélasquez-Fuica sind für den Tanz so wichtig oder so unwichtig wie der Raum selbst, in dem Tsui-Shuang Lai und Ilana Reynolds ihre Figuren vollführen. Über lange Passagen bewegen sich die Tänzerinnen auch in vollkommener Stille. Langsames Schreiten im Zeitlupentempo, schnelles Verbeugen, Hüpfen, Sich-Strecken, dann eine Attacke, bei der die im Körper innewohnende Sprengkraft zum Vorschein kommt, viele Bodenelemente in kriechender, animalischer Art machen diesen dreiteiligen Tanz aus. Christine Brunels Choreografien haben an Spannung, Ausdruck und Atmosphäre gewonnen."
Tanz - Musik - Lyrik

"SPEED" stellt die Frage nach der Geschwindigkeit - ihrer Dauer und ihrer Macht.
"Ich empfinde die Schnelligkeit als einen schmerzlichen Verlust. Die Langsamkeit ist für mich die Sehnsucht nach dem Verlorenen: nach der Zeit, die man sich nicht genommen hat; nach dem, was man nicht bekommen hat", sagt Christine Brunel.
Der Tanz folgt einem eigenen, zwingenden Rhythmus. Die Erforschung des Raumes und der Bewegung führt unweigerlich zu einer beeindruckenden Authentizität. Christine Brunel zeigt die Schönheit des Einfachen. Konzentriert auf das Wesentliche empfindet sie den Reiz der Beschränkung. Ihr Tanz vereint Stärke und Zerbrechlichkeit, lässt erkennen, wie fragil eine Balance, wie filigran oder kraftvoll eine Bewegung sein kann.
Ausgehend vom Tanz entwickelte Scott Roller die Musik für "SPEED", eine Komposition für ein Live-Cello und Zuspielmaterial - einzig aus Celloklängen. Es ist eine Arbeit mit reduzierten, wohl gesetzten Mitteln. Die Musik ist geprägt durch lange Bögen, die den Tanz umfangen, ihm Raum lassen.
Die verwendete Lyrik stammt von dem amerikanischen Dichter Robert Lax (1915 - 2000), deren Wesenszüge "(…) das Einfache, Schlichte, das Un-Gesuchte, das frei ist von jeder Überladenheit" sind.

Die Presse schrieb:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 04. Dezember 2007
In Zeitlupe
(...) Brunel tanzt ein Plädoyer für die Langsamkeit; nur wer sich Zeit nimmt, kann genießen. Brunels Bewegungen sind reduziert, die Tänzerin und Choreographin konzentriert sich (...) auf das Erforschen von Zeit und Raum. Diese intensive Auseinandersetzung zeigt sich in jeder Berührung ihres Fußes mit dem Boden, in jeder ihrer kleinen und weiten Armbewegungen.
Der Komponist und Cellist Scott Roller passt sich in seinem Spiel der bewussten Reduktion an. Sein vielseitiges Repertoire an diesem Abend reicht von langen Bögen über atonale Geräusche bis zu Jazzklängen. Roller zupft und streicht, schnippt mit den Fingern, klopft auf sein Instrument und nutzt auch Steg und Resonanzboden, um Töne zu erzeugen.(...)
Der Uraufführung von "Speed" geht die Inszenierung von "Abdruck" voraus. Christine Brunel bewegt sich hier auf einem etwa zwei Meter breiten grauen Streifen, der im goldenen Schnitt über die weiße Fläche gezogen wurde. Erst mit Schuhen, dann in Socken und später mit bloßen Füßen erkundet sie den Boden unter sich. Sie scheint Fußspuren nachzulaufen und macht sich tänzerisch den Raum zu eigen. Christine Brunel zeichnet an diesem Abend ihren eigenen, mal zerbrechlich, mal kraftvoll wirkenden Abdruck.

Tanzjournal, 01/08
Keine Zeit
Es hat etwas von eienr Feier, aber ist alles andere als glamouröses Knallbonbon oder bemühte Zeremonie. Christine Brunels Tanz zelebriert etwas, doch weder sich selbst oder Gefühle noch den Tanz selbst oder die Theatersituation. Was sie tut, sieht so einfach aus, so klar, daß man immer halb durch sie hindurchsieht. Klarheit der Form, die Wiederholungen, kaum eindeutige Gesten. Vielleicht ist es nur das, was es ist: Bewegung.
Im Doppelabend "SPEED" sitzt der Cellist Scott Rolelr mit auf dem Tanzteppich (...). Roller streichelt, schabt, zupft, klopft und streicht auf dem Cello; seine Klänge erzählen immer auch von Stille, balancieren auf der Schwelle zur Unhörbarkeit. Christine Brunels Tanz passt gut dazu, weil auch sie die Ruhe um sich hat.
In "Abdruck" geht sie auf einem stegbreiten grauen Tanzbodenstreifen nach vorn und wieder zurück. Ein Gehen, das Jahrzehnte dauert oder Sekunden: den Fuß heben, als übersteige er etwas, ihn absetzen, ankommen. Wieder ein Schritt. Noch einer. (...) Die Strecke, die so begrenzt aussieht, könnte ewig so weitergehen.
In "Speed" kommt dazu aus dem Off Robert Lax, Dichter wunderbar knapper Worte über Meer und Sand und den Seiltanz des Daseins. Diesmal beginnt Christine Brunel auf einem Hocker. Bindet sich ein Tuch vor die Augen. Wir bringen den Paradiesgarten zu den Kindern, die den Traum vom Zuhause verloren haben, spricht das Gedicht auf englisch, sie rundet ihre Arme vor dem Körper zur leeren Umarmung. (...)Später drückt sie Schritt vor Schritt, wie gegen Seewind, die Arme aufgespannt. Dann fallen die Füße vor, etwas geht in ihr, wird schneller, spielerisch kreuzen die Beine, kleine Hüpfer, halbe Spitze. Es ist Tanz. Ob im Traum oder in der Wirklichkeit, das spielt keine Rolle. Vielleicht sind sie eins geworden auf diesem Weg, dessen Existenz die Schritte leise feiern.
Einblicke Ausblicke Rückblicke Anblicke Augenblicke Andeutungen Momente
Etwas zieht unseren Blick auf sich. Warum? Was ist das, was wir sehen? Was passiert mit dem Betrachter während dieses Blickes? Was geschieht mit dem „Angeblickten“? Lässt er, sie, es uns tiefer sehen? Ist der Blick wie ein Sog? Oder ist er ein flüchtiger Moment?
Thema „Blicke“ bietet vielschichtige Ansatzpunkte und Sichtweisen. In dem Performance Projekt nähern sich der Cellist und Komponist Scott Roller und die Tänzerin und Choreographin Christine Brunel auf ihre Weise diesem Gegenstand.
Blicke stellen immer eine Beziehung her: zwischen Menschen oder zwischen Menschen und Dingen. In dieser Performance entsteht diese Beziehung gleich in vierfacher Hinsicht: es ist die Beziehung zwischen den beiden Künstlern und ihrer Kunst, es ist die Beziehung zwischen Künstler und Publikum, es ist aber auch die Beziehung zwischen Künstler und dem Ort, zwischen dem Publikum und dem Ort: ein wahres Beziehungsgeflecht ...
Bekannt ist Scott Roller durch seine Arbeit mit dem "Wolpe Trio" (Essen), dem Ensemble "gelberklang" (Stuttgart) und der "Musikfabrik NRW" (Düsseldorf). Darüber hinaus ist er als Cellist und Komponist in Aufnahmen vieler Rundfunkanstalten und auf mehreren CDs präsent. Zu sehen und zu hören war und ist er auf allen wichtigen Festivals für zeitgenössische Musik. Seine Kompositionen wurden in Mittel- und Osteuropa, Japan, Skandinavien und Nordamerika gespielt.
Einen wichtigen Teil seines Schaffens nimmt die Improvisation ein, so z.B. die intensive Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Improvisationsquartett "BL Lacerta" (Dallas) oder dem Improvisationsensemble "Synthese". Sie ist sowohl Bestandteil seiner kompositorischen Arbeit als auch seiner Aufführungspraxis. Ein weiterer Teil ist die Kooperation mit anderen Künsten wie Malerei, Dichtung, Tanz und Performance.
Hier ist der Berührungspunkt zwischen Scott Roller und Christine Brunel. Improvisation ist neben fest gefügten Choreographien immer auch ein wichtiger Bestandteil ihres Schaffens. Darüber hinaus hat Christine Brunel immer wieder spartenübergreifende Projekte mit anderen Künsten und Künstlern realisiert.
Die Zusammenarbeit mit Musikern und Komponisten im Rahmen von Performances begann mit dem Kontrabassisten Peter Kowald. Darüber hinaus arbeitete sie mit den Komponisten Kunsu Shim und Gerhard Stäbler auf der Bühne zusammen. Im letzten Jahr entstand die Performance "idée de quatuor" mit dem Tänzer und Choreographen Eric Senen, die Malerin Dagmar Schenk-Güllich und dem Komponisten Kunsu Shim
Die Presse schrieb:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 06. Dezember 2006
Virtuose Improvisation mit Cello und Tanz
Wie eine fünfteilige Suite wechselten Tanz und Musik mit Soli von Scott Roller, der sein Instrument wie so oft an die Grenze vom Klang zum Geräusch trieb, Steg und Resonanzboden wie ein Schlagwerk einsetzte, oft ein beinahe körperliches Verhältnis zu seinem Instrument aufbaute. (...) Nach den äußerst langsamen, beinahe meditativen Szenen, steigerte Christine Brunel ihren Tanz zum eruptiven Höhepunkt, dessen Schlussszene sich zu einer virtuosen Improvisation zwischen Cello und Tänzerin steigerte. Ein spannender Abend.

Eine Begegnung
einer Tänzerin
eines Musikers
einer Malerin
eines Tänzers
Eine Begegnung, die
die Reibung, die Auseinandersetzung sucht
die Möglichkeit von einem Miteinander auslotet
individuelle künstlerische Standpunkte erforscht
Eine Begegnung, die
Eigenständigkeit jeder Kunstgattung respektiert und bewahrt
von Gleichberechtigung und Respekt geprägt ist

"idée de quatuor" entstand anlässlich des 20jährigen Jubiläums des Tanztheater Christine Brunel in Zusammenarbeit mit der Kompanie L et S (Paris) und EarPort (Duisburg) in Koproduktion mit dem Maschinenhaus Essen
Die Presse schrieb:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 29. Oktober 2005
Spiegel der Seele
Assoziativ und atmosphärisch wirkt die Performance "idée de quatuor" im Maschinenhaus. Christine Brunel und Eric Senen tanzen ganz in schwarz gekleidet zu zarten bis harten Klängen des Komponisten Kunsu Shim und umgeben von Bildern der Malerin Dagmar Schenk-Güllich, aus denen die Tanzenden heraus zu steigen scheinen. (…) Das Christine Brunel Tanz als Zustand der Freiheit beschreibt, wird in der aktuellen Produktion sichtbar. Jeder Zuschauer kann bei der Performance, die Tanz, Musik und Malerei verknüpft, seine Gedanken schweifen lassen (…)
Christine Brunel, Choreographie und Tanz
Simona Bubola und Martina Candelo, Tanz
Diego Velásquez Fuica, Kompostion und E-Bass
Der Boden unter unseren Füßen hält uns, trägt uns, fängt uns.

Das Wort Boden ist eine Metapher.
Aus der sinnlichen Erfahrung und dem bewussten Erleben
des Bodens entstehen Bilder:
Strich
Landschaft I
bodenlos
geflügelt
rebond
Landschaft II

Die einzelnen Bilder sind Abstraktionen der Auseinandersetzung mit dem Boden. In ihrer Offenheit sind sie eine Einladung und zugleich eine Herausforderung an den Zuschauer: sein Sehen, seine Wahrnehmung lassen Raum für individuelle Interpretationen und Erfahrungen.
Ihn ihrer choreographischen Arbeit vergleicht sich Christine Brunel oft mit einem Maler. Ihr Ausdrucksmittel ist die Bewegung, die ähnlich einer Zeichnung auf dem Papier Spuren im Raum hinterlässt. Auf den ersten Blick scheinen diese Spuren flüchtig zu sein. Doch sie sind es nicht: sie füllen den Raum, ja sie erfüllen ihn. Ebenso wie der Klang der Musik oder die Stille den Raum füllen. So ist Vom Boden eine Synthese von Körper, Raum, Bewegung, Klang und Stille.
Im Verzicht auf alles Künstliche und in der Rückführung auf das Wesentliche sind Christine Brunels Choreographien eine wohltuende Insel der Ruhe und Kraft in unserer heutigen Zeit.

Die Presse schrieb:
Tanzjournal 4/2005
Von der vierten Dimension
(…) sechs kurze Szenen, zwei davon aus zwei gegensätzlichen Teilen zusammengefügt - bilden das ‚Skelett', abwechselnd getanzt von Brunel und dem jungen Duo Simona Bubola und Martina Candelo. Bodenhaftung, Schrittmuster, Balanceakte zwischen und auf den roten und weißen asymmetrischen Kreidestrichen stehen im Vordergrund. Still, hochkonzentriert und gelegentlich gemessen wie mysteriöse Rituale, präsentieren die Tänzerinnen die kaum mehr als zehnminütigen Sequenzen. (…) Spätestens in Brunels Soli auf zwei unendlich zarte, melancholische Madrigale von Claudio Monteverdi erkennt man aber (wieder) die ‚vierte', spirituelle Dimension von Brunels Tanzschöpfungen.
Neue Ruhr Zeitung, 23. Mai 2005
Die Poesie des Körpers
Stille breitet sich im großen Maschinenhaus aus, Stille ist der Partner von Christine Brunel. (
) Sehr langsam bewegt sich die Tänzerin, dreht sich, wiegt sich, in der Spitze des Fußes scheint sich die Energie zu sammeln, die nötig ist, sich vom Boden zu lösen. Den Fuß zu heben bedeutet, einem Ereignis beizuwohnen. (
)
Die Unterteilung des Werks erzählen von der Auseinandersetzung der Choreografin mit dem Boden. Zwei junge Tänzerinnen, die Italienerin Simona Bubola und die Argentinierin Martina Candelo, sind sensibel genug, die Intimität und Kargheit dieser Bilder auszudrücken. (
) Der chilenische Gitarrist Diego Velásquez Fuica erzeugt Klangfelder dazu. (
) Augenblicke voller Poesie sind es, die der Brunel wieder einmal gelungen sind.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 23. Mai 2005
Bewegungen entreißen Bilder der Stille
(
) Christine Brunels Kunst liegt in der meditativen Versenkung, im Loslösen des Körpers vom Augenblick. Sie spielt mit der Stille, sie spielt mit Geräuschen, sie spielt mit der Zeit. Dabei versteht sie es, Atmosphäre zu schaffen und die Zeit anzuhalten.
Brunels Bewegungen sind der Zeit entrissene Bilder. Und sie spielt mit äußerst reduzierten Mitteln: Sie ist eine Asketin unter den Tänzerinnen und Choreografinnen. (
) Christine Brunel tritt solistisch auf. Augenblicke der Intensität, des Kampfes, der Intimität werden da spürbar. Zwei junge Tänzerinnen, die Italienerin Simona Bubola und die Argentinierin Martina Candelo, tanzen die übrigen Bilder, die von Kargheit gezeichnet sind. Da balancieren die jungen Frauen auf den Kreidelinien des Bodens zu den leisen Klangfeldern des Gitarristen Diego Velásquez Fuica. Sie drehen und wälzen sich. Wie ein leiser Hauch ist das, wie ein Wind, der feine Pflanzen rührt. Atmende Poesie wurde in jedem dieser Bilder spürbar. (
)